Bericht in der Zeitschrift MagSi
Fachzeitschrift des DVET (Fachverband Stoma und Inkontinenz)
Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“
Auditbogen für ambulante und stationäre Einrichtungen
Der Arbeitskreis „Wundgrund“ besteht aus fünf Mitgliedern, welche die Weiterbildung zum Pflegetherapeut Wunde ICW beim Diakonischen Institut für soziale Berufe in Dornstadt abgeschlossen und sich zum Ziel gesetzt haben, die Wundversorgung in stationären und ambulanten Einrichtungen zu optimieren und die Implementierung des Expertenstandards „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ zu unterstützen. Unser Gebiet umfasst die Region Heilbronn, Hohenlohe, Ludwigsburg, Stuttgart, Leonberg und Göppingen.
Um möglichst viele an der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden beteiligte Berufsgruppen zusammenzuführen und zu vernetzen (Wundexperten, Pflegefachkräfte, Ärzte, Krankenkassen, etc.) und eine optimale Zusammenarbeit bei der Versorgung der Patienten zu erreichen, findet einmal im Monat ein Treffen statt, an dem alle Interessierten teilnehmen können. Jedes Treffen wird unter ein Thema gestellt, zu dem es Informationen und einen Vortrag gibt. Dieser wird von einem Mitarbeiter oder Teilnehmer gestaltet. Außerdem möchten wir Neuerungen zum Thema moderne Wundversorgung weitergeben. Im Anschluss ist ausreichend Zeit für Gespräche und Erfahrungsaustausch.
In unserer täglichen Arbeit erleben wir oft, dass die Zusammenarbeit mit Ärzten, Krankenkassen oder Pflegekräften in stationären und ambulanten Einrichtungen in der Wundversorgung recht schwierig ist. Unser großer Wunsch und angestrebtes Langzeitziel ist es, die Barrieren in der Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen (z.B. Sorge um Budget bei der Rezeptierung des Wundversorgungsmaterials, Genehmigung der Verordnungen durch die Krankenkassen, Einhaltung der angeordneten Wundversorgungspläne durch Pflegepersonal) zum Wohle des Patienten abzubauen.
Patienten mit chronischen Wunden erleben viele Einschränkungen in ihrem Alltag, die zur Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität führen, sei es durch Schmerzen, soziale Isolation, Einschränkung der Mobilität, Körperbildveränderung, psychische Belastungen und vieles mehr. Der Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ beschreibt in erster Linie, dass nicht die Wundheilung im Vordergrund steht, sondern die Lebensqualität der betroffenen Person. Durch Anleitung und Beratung der Patienten/Bewohner und deren Angehörigen im Umgang mit der Wunde, ihren Auswirkungen und Einschränkungen kann das gesundheitsbezogene Selbstmanagement gefördert und verbessert werden. Dies und die fachliche Supervision der Pflegefachkräfte, sowie die Koordination der Versorgung und die Rezidivprophylaxe gehören zu den Aufgaben des Pflegerischen Fachexperten.
Der Auditbogen
In der Weiterbildung zum Pflegetherapeut Wunde ICW e.V. entstand in der Unterrichtseinheit „Projektmanagement“ die Idee, einen Auditbogen zum Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ zu entwickeln. Unsere Dozentin Frau
Der Bogen ist unterteilt in verschiedene Bereiche, die auch im Expertenstandard erkennbar sind. So enthält er grundlegende Fragen zur Implementierung, zu den Bereichen Hygiene, Verbandstoffe, Assessmentwerkzeuge, Dokumentation, Begleitende Wundtherapie, Pflegeprozess sowie Beratung und Anleitung.
Nach der Fertigstellung wurde der Auditbogen für einen Probelauf in ambulante und stationäre Einrichtungen an Mitarbeiter mit unterschiedlicher Qualifikation weitergegeben. Es wurden sowohl Wundexperten, als auch Pflegedienstleitungen und Pflegefachkräfte ausgewählt. Um die Plausibilität des Bogens zu erfassen, wurde ein Rückmeldebogen angehängt, auf dem die Testpersonen Fragen und Unklarheiten notieren konnten. Ferner wurde die zum Ausfüllen benötigte Zeit erfragt.
Nach vollständigem Rücklauf haben wir den Auditbogen ausgewertet und evaluiert. Im folgenden Abschnitt möchten wir nur einen Teil der Auswertung darstellen:
Im Bereich der Hygiene fiel uns auf, dass die Hygienerichtlinien mit wenigen Ausnahmen eingehalten werden. Allerdings werden vor allem im ambulanten Bereich angebrochene Sterilpackungen nicht sofort verworfen, sondern für den nächsten Verbandwechsel aufbewahrt und verwendet.
Die Verfügbarkeit der verordneten Verbandmittel war ist zu 100% gesichert, während die Mitarbeiter nur in etwa der Hälfte der Einrichtungen über gute Produktkenntnisse zum Verbandmaterial verfügen. Dies ist aber eine wichtige Voraussetzung zur richtigen Anwendung der Produkte sowie zur Fähigkeit, Patienten/Bewohner und Angehörige zur Wundversorgung anzuleiten und zu schulen.
Bei den Fragen zur Dokumentation fiel uns auf, dass in allen Einrichtungen Wunddokumentationen eingesetzt werden, allerdings sind die darauf erfassten Informationen oft unvollständig. So fehlen bei mehr als 60% der befragten Einrichtungen die Angaben zu Mobilitätseinschränkungen, psychische Verfassung, Rezidivzahl und Wissen des Patienten/Bewohners über Ursache und Heilung der Wunde und Selbstmanagementkompetenzen.
Während das Dekubitusrisiko z.B. mit der Bradenskala überall erfasst wird, werden in 80% der befragten Einrichtungen keine weiteren Assessmentwerkzeuge eingesetzt. Vor allem die Erhebungsbögen zu Angaben der Lebensqualität, WWS (Würzburger Wundscore) und WAS-VOB (Wittener Aktivitätenkatalog der Selbstpflege bei venös bedingten offenen Beinen) sind den Mitarbeitern nicht bekannt. Ebenso werden nur in wenigen Einrichtungen eine Schmerzskala oder ein Anamnesebogen zur Bestimmung des Ernährungszustandes (z.B. MNA – Minimal Nutrition Assessment) eingesetzt.
In der Vernetzung der verschiedenen Berufsgruppen (Ernährungsberatung, Physiotherapie, Schmerzberatung) bestehen enorme Defizite, denn nur 20% der Befragten gaben an, dass entsprechende Beratung zur Verfügung steht.
Ein Großteil der Mitarbeiter (sowohl in ambulanten als auch in stationären Einrichtungen/Pflegeheimen) gab an, dass die Zusammenarbeit mit den Hausärzten sehr schwierig ist. Wie schon eingangs erwähnt, hängt das auch mit den vermeintlich hohen Kosten der Wundversorgungsprodukte in der modernen Wundversorgung zusammen. Selbst Kosten-Nuten Rechnungen sind oft nicht überzeugend. Hier besteht unbedingt Handlungs- und Aufklärungsbedarf. Wir als Pflegerische Fachexperten möchten die Zusammenarbeit mit den Ärzten zum Wohle der Patienten fördern und ihnen nicht, wie oft befürchtet, Kompetenzen absprechen. Die Verordnungshoheit liegt weiterhin beim Arzt.
Im Gegenzug erleben wir auch behandelnde Ärzte, die gerne auf unser Angebot, die Wundversorgung beratend zu begleiten, zurückgreifen.
Als Ergebnis des Probelaufs können wir festhalten, dass das Wissen über den Inhalt und die Anwendung des Expertenstandards „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ in den Einrichtungen noch nicht sehr verbreitet ist. Der Begriff und die Aufgaben des Pflegerischen Fachexperten nach DNQP waren vielen Mitarbeitern nicht bekannt. Es besteht in den meisten Einrichtungen Fortbildungs- und Aufklärungsbedarf.
Wir hoffen, mit unserem Angebot verschiedene Berufsgruppen bei den Wundgrund – Treffen zusammenzuführen, dazu beitragen zu können, dass die ganzheitliche Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden verbessert und optimiert wird.
Auf unserer Homepage können Sie sich kostenlos registrieren. Anschließend steht der vollständige Auditbogen als pdf-Datei zur Verfügung. Zu unseren Treffen sind Sie herzlich eingeladen. Aktuelle Termine und Veranstaltungsorte finden sie im Kalender auf www.wundgrund.de
Sven Bachmann
Pflegetherapeut Wunde ICW e.V.
Wundexperte ICW e.V.
Pflegerischer Fachexperte nach DNQP
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Anja Kuntz
Pflegetherapeutin Wunde ICW e.V.
Wundexpertin ICW e.V.
Pflegerische Fachexpertin nach DNQP
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
[1] Der Auditbogen ist hier nur in Abschnitten abgebildet. Den vollständigen Bogen können Sie nach der Registrierung auf unserer Hompage www.wundgrund.de kostenlos herunterladen.
News / Berichte